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WDVS / Vollwärmeschutz selber machen – eine Anleitung

Anleitung zum Vollwärmeschutz selber machen gesucht? Dieser Artikel beschreibt das WDVS (Wärmedämmverbundsystem) und erklärt den Aufbau ausführlich

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WDVS, Vollwärmeschutz, Wärmedämmverbundsystem
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   Kalender Icon der Seite: Wärmedämmverbundsystem 23.07.2012 Autor Icon der Seite: Vollwärmeschutz Lenz

Aufbau des Wärmedämmverbundsystems

Der grundlegende Aufbau eines WDVS ist tatsächlich denkbar einfach. So werden im Altbau auf die vorhandene (tragfähige) Fassade einfach Dämmplatten in entsprechender Stärke (meist zwischen 10 und 24cm Stärke) aufgeklebt, welche dann mit einem Armierungsgeflecht versehen werden, auf das dann der endgültige neue Putz aufgebracht wird. Die genaue Vorgehensweise wird weiter unten in der Vollwärmeschutz Anleitung noch genauer beschrieben.

Schwierig für Laien wird allerdings die Umsetzung der Dämmung in Fenster- und Türlaibungen, sowie an den Hausecken etc. Wird hier bei der Umsetzung des Wärmedämmverbundsystems nicht akkurat und gewissenhaft gearbeitet, können Kältebrücken entstehen, die erhebliche Bauschäden mit sich bringen können.

Vorüberlegungen und Probleme beim selber machen

Grundsätzlich gilt, dass Wärmedämmverbundsysteme immer aus aufeinander abgestimmten Komponenten eines Herstellers bestehen (daher auch Systeme). Mischt man die Komponenten verschiedener Hersteller, können Probleme bei Haltbarkeit, Dampfdiffusionswiderstand und Dehnungsfaktoren (Risse) auftreten, die sekundäre Probleme wie Dämmungsreduktion, Schimmelbildung und allgemein eindringende Feuchtigkeit zur Folge haben können. Auch verlöschen selbstverständlich alle Gewährleistungsansprüche an den Vollwärmeschutz, da ein WDVS nur als Ganzes gesehen eine entsprechende Zulassung hat. Es lohnt sich also nicht, die Einzelkomponenten von verschiedenen Herstellern zu kaufen, nur um noch ein paar Euro mehr zu sparen. Die Schäden, die am WDVS und der restlichen Gebäudehülle entstehen können, übertreffen sicherlich bei weitem die gedachten Einsparungen.

Vollwärmeschutz selber machen – Anleitung zum Aufbau

1. Vor Beginn der Dämmmaßnahme sollte der vorhandene Putz sorgfältig auf seine Tagfähigkeit geprüft werden. Mit einem Hammer sollten Teile der zu dämmenden Fläche abgeklopft werden. Bröckelt, oder blättert der Putz häufig ab, reicht ein verkleben der Dämmplatten nicht aus, sodass ein zusätzliches Verdübeln zum Aufbau des Wärmedämmverbundsystems notwendig wird. Im Zweifel unbedingt einen Fachmann hinzuziehen, da sich lösende WDVS meist nur im Ganzen saniert werden kann. Außerdem müssen unbedingt alle dampfdiffusionsbeeinträchtigenden Putze und Farben (meist auf Kunstharz basierend) großflächig entfernt werden um spätere Bauschäden durch Feuchtigkeit vermeiden zu können. Sandige Oberflächen benötigen vor dem Aufbringen der Dämmplatten noch eine Grundierung um den Abrieb zu verfestigen und ausreichende Tragfähigkeit für den Vollwärmeschutz herzustellen.

2. Ist der Untergrund gereinigt und tragfähig, wird als erstes das so genannte Sockelabschlussprofil an allen angrenzenden Bauteilen angebracht. Dabei ist darauf zu achten, dass die Profile sauber in der Flucht verlegt werden um Versatze beim Anbringen der Dämmplatten zu vermeiden. Das Abschlussprofil ist sozusagen das Maß aller Dinge. Es wird empfohlen die Abschlussprofile nicht direkt aneinander anstoßen zu lassen, da durch Temperaturschwankungen keine Dehnung des Materials möglich ist und Spannungen entstehen können, die zu Rissen führen können. 2mm Abstand zwischen den einzelnen Profilen sollten dabei als Abstand genügen.

3. Nun werden die Dämmplatten mit Baukleber im so genannten Rand-Punkt Verfahren aufgeklebt. Dabei wird um den gesamten Rand der Dämmplatte eine Kleberwulst (ca. 3-5cm dick) aufgetragen und jeweils in die Mitte der Platte dazu noch ein Klecks (Punkt) des Klebers hinzugefügt und die Dämmplatte von Hand kräftig an die Fassade gedrückt. Dabei ist darauf zu achten, dass kein Kleber zwischen die einzelnen Platten gerät (insbesondere bei Systemen ohne Stufenfalzen) um einen fugenlosen Aufbau des WDVS garantieren zu können. Das Punkt Rand Verfahren ist besonders flexibel wenn Unebenheiten auf der alten Fassade zu erwarten sind. Vollflächiges Auftragen des Klebers mit einem Zahnspachtel ist nur bei sehr glatten Untergründen zu empfehlen. Achten Sie beim Kleben der Platten unbedingt darauf, die Platten des WDVS möglichst gleichmäßig und eben auf die Fassade aufzukleben, sodass keine Versatze in der Oberfläche entstehen können, die später mit dem Putz ausgeglichen werden müssen. Außerdem werden die Platten immer im T-Verbund geklebt, sodass keine Kreuzfugen entstehen können.

4. Tür- und Fensteranschlüsse müssen besonders sorgfältig bearbeitet werden, damit der Vollwärmeschutz auch seinem Namen alle Ehre machen kann. Gerade bei Tür und Fensterlaibungen entstehen schnell Kältebrücken durch unsauber gearbeitete Anschlüsse der Dämmung und führen dann nicht selten zu Schimmelbefall im Inneren des Gebäudes.
Hausecken sind so mit den Dämmplatten zu gestalten, dass eine Verzahnung der Platten entsteht. So wird erst von der einen Seite eine Platte mit Überstand verklebt und dann von der Gegenseite die nächste Reihe wiederum mit Überstand angebracht.

5. Ist die Dämmung vollständig aufgebracht folgt das Aufbringen des Armierungsputzes und des Armierungsgewebes. Dazu wird der Armierungsputz etwa 5-7mm dick auf die Platten aufgetragen und dann vollflächig das Armierungsgewebe in den Putz eingearbeitet Das Gewebe wird dabei nur bis etwa 1/3 der Gesamtputztiefe in den frischen Putz eingearbeitet. Nach Vollendung dieses Arbeitsschrittes sollten wenigstens 5-7 Tage gewartet werden bis die Arbeiten am Wärmedämmverbundsystem mit dem Aufbringen des Sichtputzes abgeschlossen werden können.

6. Abschließend wird dann noch der Sichtputz aufgetragen. Um Risse zu vermeiden sollte die Dicke dieses Endputzes nicht mehr als 10mm betragen. Es ist darauf zu achten, dass Putze mit feiner Körnung möglichst gleichmäßig aufgetragen werden, da bei nicht sachgerechter Ausführung schnell optische Mängel sichtbar werden können.

Ein paar Tipps zum Schluss

Achten Sie darauf, dass alle Anschlussbereiche (Fensterbänke, Geländer etc.) so ausgeführt werden, dass sie auch kräftigem Schlagregen standhalten können und keine Feuchtigkeit in das Wärmedämmverbundsystem eindringen kann, da eine feuchte Dämmung erhebliche Dämmverluste hinnehmen muss und darüber hinaus auch zu Bauschäden führen kann.

Nutzen Sie als Anstrich auf keinen Fall dampfundurchlässige Farben, damit entstehende Feuchtigkeit nach außen abtransportiert werden kann. Auch hierbei droht ansonsten nach wenigen Jahren eine Totalsanierung.
Nutzen Sie an Fensteranschlussecken, Hausecken und in Bereichen die eventuell mechanisch beansprucht werden könnten ein zusätzliches Armierungsgewebe um auch langfristig Risse zu vermeiden und diese Bereiche Stoßfest zu machen.

Ein Vollwärmeschutz ist nur dann sinnvoll umgesetzt, wenn auch andere Komponenten wie Fenster und Türen entsprechend moderne Dämmwerte besitzen. Ansonsten entstehen zum einen Kältebrücken durch schlecht Isolierte Flächen (Fensterflächen) und zum anderen sind auch die Anschlussbereiche an Fensterbänken nicht wirklich fachgerecht ausführbar. Das Eindringen von Wasser droht, bzw. es sind auch wieder Kältebrücken möglich.

Lassen Sie sich nicht von der Werbung täuschen, die einfachste Umsetzung von Wärmedämmverbundsystemen verspricht. Meiner Meinung nach sollten nur erfahrene Heim- oder Handwerker selbständig WDVS am Haus anbringen, da zu viele Probleme in der Ausführung entstehen können. Vorbereitende Arbeiten (Punkte 1 und 2) sind dagegen durchaus auch von Laien durchführbar, sollten aber dennoch von einem Fachmann begleitet werden. Nur eine sachgemäße Ausführung garantiert auch langfristig verbesserte Dämmwerte am Haus und vermeidet Bauschäden durch eindringendes Wasser. Muss später aufgrund unsauber verarbeiteter Volldämmung saniert werden, steigen die Kosten oft auf ein Vielfaches als die vernünftige Ausführung durch einen Fachbetrieb gekostet hätte.

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