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Innendämmung von Außenwänden - Anleitung, Möglichkeiten und Probleme

Dieser Artikel befasst sich mit dem Thema Innenwanddämmung und beschreibt Möglichkeiten und Probleme bei der Umsetzung einer Innendämmung.

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   Kalender Icon der Seite: Innenwanddämmung 28.07.2012 Autor Icon der Seite: Wärmedämmung innen Lenz

Innenwanddämmung – ja oder nein?

Vielen Hausbesitzern, die ihr Haus energetisch sanieren wollen erscheint auf den ersten Blick eine Innendämmung der Außenwände als die praktikablere und günstigere Variante gegenüber der Außendämmung, kann doch gleich dem Wohnraum ein neues „look and feel“ gegeben werden. Wie problematisch und zum Teil fatal eine Wärmedämmung von innen sein/werden kann, zeigt sich oft erst, wenn nach Jahren massive Bauschäden durch unsachgemäßen Aufbau der Dämmung entstanden sind. Die vermeintlichen Einsparungen gegenüber einer großflächigen Sanierung von außen lösen sich spätestens jetzt in Luft auf.

Nur in Spezialfällen, wie bei denkmalgeschützten Außenfassaden, erhaltenswerten historischen Fassaden oder Sichtfassaden bei Fachwerkhäusern, sollte eine Innendämmung umgesetzt werden. Wenn es eben geht ist immer eine außenseitige Dämmung der Innenwanddämmung vorzuziehen. Warum das so ist, soll im nächsten Abschnitt erläutert werden.

Probleme bei der Innendämmung von Außenwänden

Das Hauptproblem bei der Innendämmung ist die entstehende Feuchtigkeit, die während der beheizten Wintermonate in die Dämmung und die dahinterliegende Wand eindringt und zwischen Dämmstoff und wesentlich kühlerer Außenwand kondensiert. Durch bauliche Gegebenheiten (dichte Außen- und Innenputze auf der ursprünglichen Wand etc.) kann diese Feuchtigkeit meist nicht nach außen durch die Wand austreten und trocknen und sammelt sich zwischen Innenwanddämmung und Wand. Ein ideales Milieu zur Ansiedelung von Schimmelpilzen entsteht. Darüber hinaus kann im Winter bei starken Frösten die Feuchtigkeit in den, durch die angebrachte Innendämmung noch kälteren, Außenwänden gefrieren und Risse und Schäden im Mauerwerk entstehen lassen.
Darüber hinaus steht nach einer durchgeführten Innenwanddämmung auch nicht mehr die massive Wand zur Speicherung von Wärmeenergie zur Verfügung. Im Winter kühlen so die Räume schneller aus, wenn nicht regelmäßig geheizt wird.

Neben diesen bauphysikalischen Problemen verliert der Wohnraum ganz trivial auch einen Teil seiner Wohnfläche. Nicht selten sind Innenkonstruktionen (mit Installationsebene) von 15cm Dicke und mehr die Regel. Wenn man dies auf die gesamten zu dämmenden Wandflächen hochrechnet, so gehen schnell einige Quadratmeter Wohnfläche verloren. Insbesondere Vermieter sollten darauf achten, dass die geringere Wohnfläche auch unter Umständen zu verminderten Mieteinnahmen führen kann.

Lösungen und Umsetzung einer funktionierenden Innendämmung

Die in diesem Abschnitt beschriebenen Aufbauten für eine Innenwanddämmung gelten nur eingeschränkt für den Einsatz in Fachwerkhäusern! Zum schwierigen Thema Innendämmung bei Fachwerk finden sie hier einen eigenständigen Artikel.

Grundsätzlich gilt für eine Wärmedämmung innen der Leitsatz „von innen nach außen immer diffusionsoffener bauen“. So sollte auf der Innenseite des Wandsandwiches keine Feuchtigkeit in die Wand eindringen können und eine Feuchtediffusion für trotzdem in die Innenwanddämmung eingedrungenes Wasser muss ohne Sperrschicht nach außen hin möglich sein. In der Praxis wird dazu innenseitig eine Dampfsperrbahn vor der Dämmschicht angebracht, welche den Wohnraum möglichst zu 100% feuchtetechnisch von der Dämm- und Wandkonstruktion trennt. Praktisch ist eine 100%ige Abdichtung allerdings auf Dauer nicht möglich, da zum Beispiel Leitungsauslässe, Steckdosen oder auch Wandanschlüsse nur sehr schwer abzudichten sind. Aber auch Flankendiffusion durch angrenzende Wände, transportiert in gewissem Maß Feuchtigkeit in den Dämmraum. Zusätzlich entstehen durch Materialermüdung oder Bewegung von Bauteilen mit der Zeit Defekte in der Dampfsperrschicht. Diese Schwierigkeiten bedingen im zweiten Schritt der Innenwanddämmung das geeignete Dämmmaterial zu finden, dass die eindringende Feuchtigkeit möglichst ideal aufnehmen und auch wieder abgeben kann.

Als Dämmstoffe für die Innendämmung eignen sich Materialien, die Feuchtigkeit aufnehmen, gleichmäßig in sich verteilen und zur Dämmstoffoberfläche leiten können (kapillaraktiv) und dazu unempfindlich gegenüber Tauwasser sind. Klassische Dämmstoffe wie Mineralwolle, Glaswolle oder auch EPS (Styropor) sind in diesem Zusammenhang nicht, oder nur bedingt geeignet. Ideale Eigenschaften weisen hier Holzfaserdämmmatten oder auch Calciumsilikatplatten auf, die obige Eigenschaften aufweisen um eine einfache Verdunstung des auftretenden Wassers zu ermöglichen. Nachteilig ist hier der wesentlich höhere Preis pro Quadratmeter dieser Dämmstoffe im Vergleich mit Mineralwolle.

Wir haben zwar nun die Taufeuchte in der Innenwanddämmung gespeichert und wollen diese nach außen abführen, aber dies ist nur dann möglich, wenn nicht durch vorhandene Putze und Farben auf innen- oder Außenseite der Hauswand ein Abtransport der Feuchtigkeit unterbunden wird. Alle Arten von Zementputzen oder Wasserabweisenden Kunstharzputzen und Farbschichten sind in diesem Zusammenhang sehr problematisch, da sie in sich sehr geschlossen sind und eine Diffusion nach außen nicht oder nur sehr bedingt ermöglichen. Diese Farb- und Putzsorten sollten unbedingt vollflächig entfernt und bei Bedarf entsprechend von diffusionsoffenen Putzen/Farben ersetzt werden. Kalkbasierte Putze (außen) und einfache Gipsputze (innen) sind hier weniger problematisch, sofern auch die genutzten Anstriche diffusionsoffen sind. Um die Taufeuchtigkeit gut in die Außenwand leiten zu können, müssen die Dämmmatten direkten und möglichst vollflächigen Kontakt zur Wand haben. Es wird also kein Luftspalt zwischen Dämmung und Wand gelassen! (Wie fälschlich teilweise im Internet geraten wird).

Kann keine befriedigende Diffusion nach außen hin erreicht werden, sollte innen auf die Dampfsperre gänzlich verzichtet (oder eine variable Dampfbremse genutzt) werden um eine Entfeuchtung der Wände zumindest nach innen hin zu ermöglichen. In diesem Fall wird richtiges und regelmäßiges Lüften der Wohnräume zur täglichen Pflichtübung um die angesammelte Feuchtigkeit abtransportieren zu können. Dieser Artikel auf schimmel-ratgeber.de beschreibt einen korrekten Lüftungsvorgang: Richtig Lüften

Fazit zur Innendämmung

An obigen Ausführungen kann man gut erkennen, dass eine Innenwanddämmung keineswegs trivial ist und von Laien nicht problemlos ausgeführt werden kann. Gerade eine Wärmedämmung innen sollte auf jeden Fall mit einem erfahrenen Spezialisten besprochen und möglichst durch einen Fachbetrieb durchgeführt werden um mögliche Probleme zu minimieren bzw. zumindest eine Gewährleistung bei nicht korrekt durchgeführten Arbeiten in Anspruch nehmen zu können. Wichtig im Vorfeld aller anfallenden Arbeiten rund um die Innendämmung ist die genaue Kenntnis der in der Vergangenheit verarbeiteten Baumaterialien (Steine, Putze, Farben etc.) um auf dieser Basis entsprechend Entscheidungen treffen zu können wie der neue Aufbau gestaltet sein sollte. Viel Erfolg bei der Umsetzung der Innenwanddämmung!

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